RC-Sealords - Portal RC-Sealords - Chat RC-Sealords - Forum
Aktuelle Zeit: Mi 13. Nov 2019, 19:17

Alle Zeiten sind UTC + 1 Stunde




Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 10 Beiträge ] 
Autor Nachricht
 Betreff des Beitrags: dampfende Schiffsmodelle - ein etwas ansprochsvolles Hobby
BeitragVerfasst: Mo 4. Jun 2012, 16:09 
Offline

Registriert: Di 27. Sep 2011, 07:45
Beiträge: 74
Vorname: Dieter
Sich mit Dampf angetriebenen Modellschiffen der verschiedenen Arten zu befassen ist eine große Herausforderung, zumal solche Antriebsaggregate alleine schon eine Wissenschaft für sich bedeuten.
Dem Modellbauer, der sich für diese Antriebsart entscheidet, kann seiner Fantasie und Kreativität freien Lauf lassen. Es werden nicht nur positive Erfahrungen folgen, doch daraus gewinnt man an Erfindungsgeist, solange man sich nicht entmutigen lässt.
Information ist alles, diesen Rat gebe ich jedem Interessenten mit. Denn damit lässt sich viel Geld und spätere Enttäuschung ersparen.
Auf speziellen Messen und auch im Internet kann man sich über die verschiedensten Gerätschaften und Anwendungszwecke orientieren. Der MBC-Nürnberg bietet jährlich Ende August ein Dampftreffen auf seinem Vereinsgelände an.
Leider, so ist zu beobachten, werden die Dampfschiffer immer weniger, was sicher auch daran liegt, dass sich die heutige Jugend eher für schnelle Rennboote interessiert.

Doch gerade die modellgerechte Fahrweise eines dampfbetriebenen Schiffes zeigt die
Nostalgie der vergangenen Zeiten.
Ein dampfender Schornstein und ab und zu ein grüßender oder warnender Ton aus der Dampfpfeife weckt bei älteren Zuschauern die Erinnerung an ihre Jugendzeit, als manche von ihnen noch mit ihrer Spiritus beheizten Wilesco-Dampfmaschine spielten.

Jedes dampfbetriebene Schiff hat seine Reize: Die offenen, wie die geschlossenen Modelle- sie alle haben originale Vorbilder und diese bestimmen das Aussehen.

Geschlossene Schiffe wie z.B. Dampfschlepper verbergen in ihrem Inneren die komplette
Dampfeinheit, nur das Rattern der Maschine lässt erahnen um welche Antriebart es sich hier
handelt. Eigentlich schade, dass die Dampfeinheit im Verborgenen ihren Dienst verrichtet.
Ein solches Schiff zu bauen stellt schon bei der Planung erhöhte Anforderungen:
Um später an den verschiedensten Bauelementen diverse Wartungsarbeiten vornehmen zu
können, muss genügend Platz zum Hantieren mit den verschiedensten Werkzeugen vorhanden
sein.
In einem geschlossenen Rumpf entstehen unweigerlich thermische Probleme, aber auch diese
lassen sich lösen, wenn auch mit einigen Aufwand.
Die Gasflamme des Brenners benötigt genügend Sauerstoff, das Abgas und eine Menge Wärme müssen abgeführt werden. Da ist ein wärmebeständiger Rumpf bzw. gute Wärmeisolierung äußerst wichtig, ansonsten scheitert das Projekt unweigerlich schon nach dem ersten Anheizen.
Bei meinem Dampfschlepper „Fantasia“ konnte ich die Wärmeprobleme und Sauerstoffzufuhr erfolgreich lösen, wozu die zahlreichen Bullaugenöffnungen und zusätzliche Lüftungslöcher beigetragen haben. Dass auch die beiden Schornsteine dampfen müssen, sollte für einen Modellbauer kein Hindernis sein.

Die Größe und das Gewicht eines solchen Dampfschiffes bestimmen auch die Anforderungen des Dampfkesselvolumens, die Leistungsfähigkeit der Antriebsmaschine und auch den Durchmesser des Schiffspropellers.

Offene Boote wie z.B. Dampfpinassen, bei denen man die gesamte Dampfmaschinenanlage sieht, erwecken wiederum enormes Interesse der umherstehenden Leute.
Es wäre schade, wenn eine solche Maschine in einem geschlossen Rumpf versteckt würde.
Die einzelnen Teile und ihre Funktionen zu erklären gehört jedes Mal dazu und auch die Kinder bestaunen den ihnen unbekannten „Motor“. Aber mit kindgerechten Vergleichen wie z.B. mit Vorgängen in Mutters Küche (Wasser erhitzen gibt Dampf), kann auch deren Neugier befriedigt werden.
Und wenn sich dann die Maschine bewegt, die Schiffsschraube dreht, möchte der eine oder
andere Knirps, sobald das Schiff im Wasser ist, auch einmal steuern dürfen.
Eine Dampfmaschine benötigt aber auch einen leistungsfähigen Dampfkessel mit Brenner. Ein Kessel mit Siede- und Rauchrohren ist hierfür die beste Wahl. Für meine beiden Pinassen
„Libelle“ und „Octopussy“ wählte ich aus verschiedenen Gründen die Form des Stehkessels
mit Dampfüberhitzung.

Bei der „Libelle“ deren Rumpflänge 1,07 Meter beträgt, wird ein Kessel mit 120mm
Durchmesser und einem Fassungsvermögen von 900 ml Wasser verwendet. Die Befeuerung
erfolgt mit Gas und einen Keramikbrenner.

Die „Octopussy“ hat eine Länge von 92 cm, einen Kessel mit 100mm Durchmesser der
750 ml Wasser fasst und mittels gasbetriebenen Pilsbrenner befeuert wird.
In beiden Pinassen werden die gleichen Maschinentypen verwendet. Die oszillierenden Zweizylinder Maschinen, die sich über viele Jahre bestens bewährt haben, sind nahezu wartungsfrei. Die Drehrichtung der Kurbelwelle und somit auch der Schiffsschraube erfolgt dadurch, dass der Frischdampf in ein Umsteuerventil geleitet wird, mit welchem alle Fahrtzustände stufenlos von „Volle-Kraft-voraus bis Volle-Kraft-zurück“ und Maschine-Stopp zu steuern sind.

Vor kurzem habe ich ein neues Projekt fertig gestellt. Ich möchte es als halboffenes Schiff bezeichnen, welches Nostalgieträume hervorruft.

Die Bücher von Mark Twain die von den großen, langen Flüssen wie den
Mississippi und Missouri und den Zeiten der Raddampfer handeln sind ja unvergessen, da gab es Heckraddampfer und Seitenraddampfer mit ihren riesigen Schaufelrädern. Mir ist bekannt,
dass mehr als 400 solcher Raddampfer als Wrack in diesen Flüssen gesunken sind und auch meisten nach 5-7 Jahren "ausgedient" hatten. Explosionen, Brände und aufgespießte Rümpfe haben das Leben der Schiffe auf den Flüssen oft verkürzt.

Pläne mit Maßangaben sind für solche Schiffe leider nicht zu bekommen und ich musste mich
mit Fotos als Vorbilder zufrieden geben.

Es stellte sich die Frage, Elektro- oder Dampfantrieb, diesmal hatte ich die Wahl der Qual.
Für solche Modelle bieten sich beide Möglichkeiten an. Begeht man Stilbruch, wenn so eine bekannte Schiffsart von Elektromotoren angetrieben wird? Ich kam jedenfalls auf die Idee, es mit beiden Möglichkeiten zu probieren. Geplant wurde die Elektroversion, aber vorausschauend habe ich mir die Möglichkeit offen gelassen, das Schiff mit einer Echt-Dampfanlage zu betreiben. Wenn im Vorfeld bereits gewisse Ideen berücksichtigt werden, ist es später keine große Sache mehr die Antriebsaggregate zu tauschen.

Ob Elektromotore oder eine oszillierende Maschine die Schaufelräder antreiben ist Nebensache, allerdings muss der erforderliche Platz für das Wechselaggregat vorhanden sein. Damit an den richtigen Positionen schon Befestigungslöcher vorgesehen werden können, braucht man so eine Maschine zu Anpassung.

Dass der Fahrakku den Dampfkessel weichen muss, ein Gastank an einer zugänglichen Stelle platziert werden kann, der Abdampfkondensator in unmittelbarer Nähe der Schornsteine stehen soll, lässt sich schon im Vorfeld einplanen. Wie aber verhält es sich mit dem Gewicht?
Dieser Gedanke kommt natürlich nicht zuletzt, sondern ist das wichtigste Argument ob das Vorhaben überhaupt zu realisieren ist. Werden die Einzelkomponenten gewichtsmäßig miteinander verglichen und treten keine großen Differenzen auf, erfolgt die erforderliche Gewichtsverteilung d.h. die Platzzuordnung der benötigten Gerätschaften um eine stabile Lage des Rumpfes zu erreichen. Das Gewicht der Aufbauten kann in einem gewissen Umfang
auch noch mit eingerechnet werden, wobei die Lage des Schwerpunkts nicht Außeracht gelassen werden darf. Ein zu hoher Aufbau gefährdet bei Kurvenfahrten die Stabilität des Schiffes und neigt zum Kippen, bzw. ermöglicht den Wassereintritt über das Deck in den Rumpf. Außerdem wirkt die große Fläche des gesamten Schiffs wie ein Segel und es ist ratsam das Schiff nur bei Windstille fahren zu lassen.

Inzwischen sind einige Monate mit basteln vergangen und das Modell sieht von Tag zu Tag seinem Vorbild ähnlicher.

Wöchentlich werden die erledigten Arbeitschritte niedergeschrieben und die gemachten Erfahrungen bei den einzelnen Baustufen wurden in meinem Baubericht schriftlich und mit Bildern festgehalten.
Bei zwei Schwimmtests mussten negative Erfahrungen gemacht werden, die sich beim Erproben durch den hohen Schwerpunkt ergaben. Die erfolgreiche Abhilfe ließ sich mit einem 4 Kg schweren Bleikiel erzielen.
Wie geplant, konnte die Jungfernfahrt beim Internationalen Dampfschiff in Nürnberg am 29./30.8. 2009 durchgeführt werden. Das Ergebnis war überzeugend, Die beiden Seitenräder hinterließen ein wunderbares Wellenbild und bei den Kurvenfahrten konnte ein enger Radius gefahren werden. Der Seitenraddampfer zeigte selbst bei leichten Windböen ein super Fahrverhalten.
Im November wird der Elektroantrieb gegen eine Dampfmaschine ausgewechselt.
Die SCARLETT hat ihren Dampftest im Trockendock bei den 13. Dampfmodelltagen im Industriemuseum in Lauf erfolgreich absolviert und die Besucher begeistert.
Spannend wird es im Frühjahr 2010, wenn die SCARLETT mit ihrer Dampfanlage Wasserberührung bekommt. Hoffentlich taucht die SCARLETT mit ihrer Dampfanlage, wie vorgesehen, nicht zu tief ein.
Bei den etwas kühleren Temperaturen werden die „rauchenden“ Schornsteine und wechselseitiges Abblasen der Abdampfkamine ein tolles Dampfschifferlebnis hervorrufen.

18.4.2010 Der Tag der Wahrheit ist gekommen. Hurra, die SCARLETT hat ihre Jungfernfahrt mit Bravur bestanden, die Schornsteine „rauchten“ und Kamine haben wechselweise ihren Abdampf in die Luft geblasen. Es ist eine wahre Freude, wenn die Seitenräder des Mississippidampfers im Wasser ihr Wellenbild hinterlassen.

Inzwischen hat die SCARLETT auf den verschiedensten Veranstaltungen ihre Fahrtüchtigkeit mit allen o.g. Funktionen unter Beweis gestellt.

Dass der Neckar-Verlag mit seiner Fachzeitschrift SchiffsModell sogar meine erstellten Bauberichte von der SCALETT und der PAUL JONES in den Heften 1 und 4 von 2011 und 4 von 2012 gedruckt hat, spricht für sich.

Dateianhang:
comp_04060230.jpg


Dateianhang:
comp_04060245.jpg


Dateianhang:
Lac du loup 6.jpg


Du hast keine ausreichende Berechtigung, um die Dateianhänge dieses Beitrags anzusehen.


Nach oben
 Profil Position des Users auf der Mitgliederkarte  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags: Re: dampfende Schiffsmodelle - ein etwas ansprochsvolles Hob
BeitragVerfasst: Mo 4. Jun 2012, 16:54 
Hallo Dieter

Da hast du wirklich eine sehr anspruchsvolle Variante des Schiffsmodellbaus angesprochen.
Ich habe auch mal mit dem Gedanken gespielt , ein Boot Dampfbetrieben zu bauen.

Im Katalog las sich das alles ganz einfach und preislich noch zu stanzen.

Dann habe ich mich mal Schlau gemacht und : Statt 200 € kam ich auf ca. 1000 €.
Für so eine Ausgabe bekomme ich nie eineGenehmigung meiner Regierung.

Thema erst mal abgehakt.

Aber anschauen und fahren sehen : einfach Klasse.

In diesem Sinne
und hoffend auf mehr Informationen über den Dampfschiffbau

Gruß

Rolf


Nach oben
  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags: Re: dampfende Schiffsmodelle - ein etwas ansprochsvolles Hob
BeitragVerfasst: Mo 4. Jun 2012, 17:06 
Offline

Registriert: So 9. Jan 2011, 08:24
Beiträge: 403
Wohnort: Königsbrunn
Vorname: Dietmar
Hallo Dieter
Aufgrund von deinem Bericht, vermute ich mal, dass du die Materie Dampf mit dem nötigen Fachwissen verbindest.
Dann hätte ich gleich mal eine Frage: Ich habe seit 1984 die Dampfbarkasse Victoria von Krick mit der ersten Dampfmaschine von damals.
*** Der Link ist nur für Mitglieder sichtbar. Bitte registriere Dich, oder logge dich ein. ***
Leider habe ich die Maschine zerlegen müssen und vergaß Markierungen für den Winkel der beiden Zylinder zu setzen. Nun versuche ich seit einiger Zeit heraus zu finden. Sind das nun 90 Grad oder etwas mehr oder weniger?
Schau mal auf meine Webseite.


Nach oben
 Profil Position des Users auf der Mitgliederkarte  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags: Re: dampfende Schiffsmodelle - ein etwas ansprochsvolles Hob
BeitragVerfasst: Mo 4. Jun 2012, 17:39 
Offline
Administrator

Registriert: Mo 25. Okt 2010, 22:10
Beiträge: 2710
Wohnort: Römerberg
Vorname: Wolfgang
Nur eine kurze Anmerkung,

die ersten beiden Bilder von Dieter sind in Römerberg I entstanden!


Nach oben
 Profil Position des Users auf der Mitgliederkarte  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags: Re: dampfende Schiffsmodelle - ein etwas ansprochsvolles Hob
BeitragVerfasst: Mo 4. Jun 2012, 17:48 
Offline

Registriert: Di 27. Sep 2011, 07:45
Beiträge: 74
Vorname: Dieter
Hallo Dietmar,

mit den 90° liegst du genau richtig.

Ich hoffe du bringst die Maschine wieder zum laufen, wäre ja schade drum.

Dieter


Nach oben
 Profil Position des Users auf der Mitgliederkarte  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags: Re: dampfende Schiffsmodelle - ein etwas ansprochsvolles Hob
BeitragVerfasst: Mo 4. Jun 2012, 17:49 
Offline

Registriert: Fr 19. Nov 2010, 19:43
Beiträge: 1359
Wohnort: Römerberg
Vorname: Gerhard
Sehr schöne Bilder!!!

Besonders die Nahaufnahme des Dampfmotors mit Untersetzung... uerf

Da gibt es bestimmt noch mehr Begeisterte hier...

Herzliche Grüße an den Sealord der ersten Stunde - Dieter

Gerhard


Nach oben
 Profil Position des Users auf der Mitgliederkarte  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags: Re: dampfende Schiffsmodelle - ein etwas ansprochsvolles Hob
BeitragVerfasst: Mo 4. Jun 2012, 17:53 
Offline

Registriert: So 9. Jan 2011, 08:24
Beiträge: 403
Wohnort: Königsbrunn
Vorname: Dietmar
dampfpinassen+dieter hat geschrieben:
Mit den 90° liegst du genau richtig.

Ich hoffe du bringst die Maschine wieder zum laufen, wäre ja schade drum.

Dieter


Danke Dieter
dashilft mir schon mal weiter. uerf


Nach oben
 Profil Position des Users auf der Mitgliederkarte  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags: diverse Kesseltypen
BeitragVerfasst: Di 5. Jun 2012, 09:43 
Offline

Registriert: Di 27. Sep 2011, 07:45
Beiträge: 74
Vorname: Dieter
Ich merke aufgrund einiger Reaktionen, dass hier im Forum Interesse für dampfangetriebene Schiffsmodelle besteht.
Dazu möchte schrittweise bebilderte Infos dazu einstellen. Wenn Fragen dazu auftauchen, kann ich sie evtl. beantworten.

Liegende Dampfkessel

Generell könnte man sagen:
Brenneröffnung und Kaminöffnung an gleicher Kesselseite = Kessel mit trockener Umkehrkammer; Kaminöffnung auf der anderen Seite des Brenners = Flammenrohr ohne Umkehrkammer

Kessel mit Flammrohr, ohne Umkehrkammer
Dateianhang:
einzügiger Umkehrkessel mit Rohrbrenner.jpg

Kessel mit Flammrohr und Rauchgaskammer, Dampfüberhitzung im Flammrohr

Dateianhang:
Regner-Kessel mit Keramikbrenner (2).jpg

Kessel mit Keramikbrenner

Kessel mit Flammrohr und Umkehrkammer
Dateianhang:
zweizügiger Umkehrkessel, Kaminausgang direkt über dem Brenner.jpg


Dateianhang:
zweizügiger Umkehrkessel mit Flammrohrbrenner (1).jpg


beide Kessel sind mit Umkehrkammer d.h. der Kamin befindet sich auf der Brennerseite


Optische Unterscheidung

1 - zügiger Kessel:
Zieht die Flamme (ungeachtet ob ein oder zwei Flammenrohre) einmal längs durch den Kessel - es geht ohnehin nur mit liegenden Kesseln - muss zwangsläufig der Kamin am anderen Ende vom Brenner sein.

2 - zügiger Kessel:
Zieht die Flamme zweimal durch den Kessel, so befindet sich der Kamin oberhalb des Brenners.
Die so genannte Rauchumkehr kann sowohl im Kessel (nasse Rauchkammer - schwieriger zu bauen, aber noch bessere Wärmeausbeute) sein oder das Flammenrohr geht gerade durch - von der Kesselfront der Brennerseite bis durch an die rückwärtige Kesselseite, dort mündet es in einer "trockene Rauchgaskammer", wo die Hitze um eine "Etage" höher umgeleitet wird und in meist mehreren, jetzt „Rauchrohre“ (nicht mehr Flammenrohre) genannten, dünneren Rohren wieder längs durch den Kessel bis an die Außenseite über dem Brenner in den Kamin geleitet werden.
Die Rauchrohre enden üblicherweise in einem Rauchkasten (kleiner Blechkasten in dem die Rauchrohre münden) und auf diesem ist, im rechten Winkel nach oben, der Kamin aufgesetzt.
Die zuletzt beschriebene Zugführung ist leichter herzustellen, bringt aber leichte Energieverluste über die trockene Rauchkammer, da von dieser nur eine von 6 Seiten (wenn man sie als Würfel betrachtet) den Kessel mitheizt. Ein Vorteil ist aber trotzdem vorhanden: die Umkehrkammer ist der ideale Platz um darin eine Dampfnacherhitzungsschlange einzubauen.

Dateianhang:
Brennerseite mit Kamin, Flammrohr 35 mm DM mit 7 Quersiederohren, spiralförmig eingelötet .jpg


Dateianhang:
Blick auf die Umkehrkammer, 7 Rauchrohre, je 10mm DM.jpg


Dateianhang:
zwei Dampfüberhitzungsschlangen.jpg


Dieser Dampfkessel wurde von einem versiertem Fachmann nach meinen Vorstellungen gefertigt, von mir vervollständigt und in den Heckraddampfer PAUL JONES eingebaut. Dort sorgt u.a. dafür, dass die Schornsteine und Abdampfkamine mit ihrem wechselweisen Dampfausstoß ein nostalgisches Flair verbreiten.

http://www.youtube.com/watch?v=pkTPQq2MdgM

http://www.youtube.com/watch?v=HCGcWcLt_6k


Du hast keine ausreichende Berechtigung, um die Dateianhänge dieses Beitrags anzusehen.


Nach oben
 Profil Position des Users auf der Mitgliederkarte  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags: Re: dampfende Schiffsmodelle - ein etwas ansprochsvolles Hob
BeitragVerfasst: So 24. Jun 2012, 17:31 
Offline

Registriert: Di 27. Sep 2011, 07:45
Beiträge: 74
Vorname: Dieter
Hallo Forengemeinde,

ein Fahrvideo von meinem neusten Heckraddampfer will ich euch nicht vorenthalten.
(ausführlicher und bebilderter Baubericht darüber steht im SchiffsModell Heft 4/2012)

Allerdings ist der Dampfaustritt fast nicht zu sehen.
Der Grund dafür war: die hohen Außentemperaturen
*** Der Link ist nur für Mitglieder sichtbar. Bitte registriere Dich, oder logge dich ein. ***

Bei diesem Video hatte es mindestens 12° C weniger.

*** Der Link ist nur für Mitglieder sichtbar. Bitte registriere Dich, oder logge dich ein. ***

Dieter


Nach oben
 Profil Position des Users auf der Mitgliederkarte  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags: dampfende Schiffsmodelle können auch pfeifen bzw. tuten
BeitragVerfasst: Do 21. Nov 2013, 11:09 
Offline

Registriert: Di 27. Sep 2011, 07:45
Beiträge: 74
Vorname: Dieter
Wie man Gedanken realisiert

An meinem mit Echtdampf betriebenen Heckraddampfer fehlte mir in den letzten Jahren ein wichtiges Detail. Jetzt habe ich den Mangel behoben indem ich eine Dampfpfeife installiert habe um das bisherige nostalgische Flair noch überbieten zu können. Ein kurzer Warnpfiff, ein lang gezogenes dumpfes Tuten zur Begrüßung und ein sinusartiges auf- und abschwellendes Tuten mit dem der Steuermann das Ablegen des Dampfers bekannt gibt sind meine Ansprüche, die ich der Dampfpfeife abverlangen möchte.
Elektronisch lässt sich das sicherlich realisieren, aber geht das auch mit einer echten Dampfpfeife? Theoretisch müsste es funktionieren, aber erst ein Test wird es zeigen!
Eine Voraussetzung ist, dass der Dampfkessel außer dem Fahrdampf auch genügend Dampfreserven für einige Pfeifsequenzen übrig hat.
Ich erzähle nichts Neues, wenn ich erwähne, dass der Dampfdruck die Tonlage sehr beeinflusst. Und wenn die Abmessungen des Klangkörpers
zu gering gewählt werden, ist der Pfeifton damit eher als schrill zu bezeichnen. Es ist vorteilhaft, man wählt einen größeren Resonanzkörper, denn damit erzielt man einen satten, tieferen Ton. Meine Empfehlung wäre:
min. DM 15 mm und die Länge von ca. 110 mm.
In vielen Fällen ist bei dampfbetriebenen Schiffsmodellen der Dampfdruck für die Dampfpfeife zu hoch. Um eine gewisse Beeinflussung der Tonlage und -folge vom kurzen Pfiff bis zum lang gezogenen Pfeifton zu erhalten, kann durch eine unterschiedliche Dosierung des durchströmenden Dampfes ein unterschiedliche Tonlage bzw. eine unterschiedliche Lautstärke des Pfeifsignals erzeugt werden.

Ich habe einen MX 16S Sender von Graupner und verwende für die Pfeifenfunktion den vorhandenen Drehgeber CTRL7 (Drehpotentiometer) mit einem Drehwinkel von ca. 270°.
Damit kann das zugeordnete Servo stufenlos gesteuert werden, wobei der Drehwinkels, sowie die Drehrichtung in Abhängigkeit der Drehgeschwindigkeit des CTRL7-Potis der Öffnungsquerschnitt des Dampfventils verändert sowie die Einströmzeit beeinflusst wird.
Was zur Folge hat, dass sich der Ton jedes Mal verändert, sich verkürzt bzw. verlängert und nicht abrupt ansteigt bzw. abfällt, sondern z.B. "sinusartig" oder auch so verändert werden kann, dass er langsam ansteigt – kontinuierlich verläuft, bis das Poti langsam bzw. abrupt in die Nullstellung zurückgedreht wird. Womit der Pfeifton langsam bzw. sofort verklingt.

Dateianhang:
Gittersäule verbirgt die Dampfpfeife.JPG

Eigentlich ein unauffälliges und konstruktiv gut durchdachtes Zubehör.
Diese Gittersäule dient als optische Abdeckung. Dass sich darunter eine relativ große Dampfpfeife verbirgt ist nicht erkennbar.

Ich habe mir überlegt, welche Stelle der geeignete Platz zur Montage des Pfeifenkörpers sein könnte. Auf dem Hurrikandeck, unmittelbar über dem Dampfdom des Kessels, wurde ein 3cm großes Loch gebohrt. Gerade am Dampfdom kann heißer Dampf entnommen und auf kürzestem Weg dem Dampfventil zugeführt werden. Vom Ventilauslaß führt eine kurze Dampfleitung hoch und direkt in den Pfeifenkörper der durch das Loch ins Hurrikandeck ragt. Die Abmessungen der Dampfpfeife passen eigentlich maßstäblich nicht zu meiner PAUL JONES. Aber wenn gewisse Anforderungen gestellt und diese durch Kompromisse auch realisierbar sind, muss man dazu auch bereit sein. Ausschlaggebend ist der Effekt, den man damit erzielen möchte. Wenn der Ventilhebel der Dampfpfeife betätigt wird, so strömt heißer Dampf vorne aus dem Resonanzkörper. Damit der Dampf ungehindert ausströmen kann und der Ton nicht beeinträchtigt wird, habe ich ein sog. Lochgitter als Säule geformt, oben abgedeckt und unten mit einem Blendenring versehen. Diese Konstruktion steckt in der Bohrung auf dem Hurrikandeck und kaschiert die Pfeife in ihrer ganzen Länge.

Dateianhang:
PJ mit Dampfpfeife.jpg

Dateianhang:
Position der Dampfpfeife auf dem Hurrikandeck .jpg


Mein Tipp wie man ein ansteigendes, lang gezogenes und lautes Tuten erzielt ist, die Dampfpfeife etwas vorzuwärmen, indem man anfangs das Pfeifenventil nur wenig öffnet. Wenn dann allmählich die Dampfzufuhr erhöht wird, ist gewährleistet, dass die Zuschauer mit diesem Klang bewusst wahrnehmen und realisieren, dass es sich hier um ein Echt-Dampfschiff handelt. Die große Dampfwolke die auf den Hurrikandeck hochsteigt bestätigt optisch den akustischen Ton.

Dass die Besucher der 17. Laufer Dampfmodell-Tage von dem veränderbarem Ton der Dampfpfeife auf der PAUL JONES total überrascht waren, hat mich nicht verwundert.


Du hast keine ausreichende Berechtigung, um die Dateianhänge dieses Beitrags anzusehen.


Nach oben
 Profil Position des Users auf der Mitgliederkarte  
Mit Zitat antworten  
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:  Sortiere nach  
Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 10 Beiträge ] 

Alle Zeiten sind UTC + 1 Stunde


Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast


Du darfst keine neuen Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst keine Antworten zu Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht ändern.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Du darfst keine Dateianhänge in diesem Forum erstellen.

Gehe zu:  
Powered by phpBB © 2000, 2002, 2005, 2007 phpBB Group
Deutsche Übersetzung durch phpBB.de