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 Betreff des Beitrags: Wissenwertes zum Thema Dampfbetrieb in Schiffsmodellen
BeitragVerfasst: Sa 9. Jun 2012, 11:44 
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Registriert: Di 27. Sep 2011, 07:45
Beiträge: 74
Vorname: Dieter
Ausführliche Informationen für "Neulinge" bzw. Interessenten, die sich gedanklich beschäftigen irgendwann ein Dampfschiff zu bauen und dieses mit einer echten Dampfanlage auszurüsten möchten.

Der Dampfantrieb eines Schiffsmodells ist zweifellos eines der reizvollsten Kapitel im Schiffsmodellbau. Nachteilig sind allerdings hohe Kosten, die Kessel und Dampfmaschine und so einigen Zubehör aufgebracht werden müssen.

Schiffsmodellbauer, die sich mit der Thematik „Dampfmaschine“ befassen wollen, werden
bemerken, dass der Einstieg in diese Technik oft mit dem Erwerb einer Komplett-Maschinenanlage endet. Um in soll einem Falle die richtige Auswahl, Montage, Betrieb und evtl. Ergänzungen zu realisieren, werden viele Informationen benötigt. Da für den Kauf der benötigten Teile die Kosten einen nicht unerheblichen Betrag erreichen, sollte sich der Interessent in Fachkreisen, Fachmessen, Büchern und Herstellerkatalogen über kostengünstige Anlagen kundig machen.

Für den Betreiber einer Dampfanlage sind wichtige Sicherheitsaspekte zu beachten: Gastank, Gasabschaltventil, Gasdruckminderungsventil, Manometer und Überdruckventil am Dampfkessel sind wichtige Teile auf die nicht verzichtet werden sollte.
Flüssiggas ist ein preislich günstiger Energieträger, man bekommt es in Kartuschen in Bau- und Heimwerkermärkten. Das Gas verbrennt sauber und rückstandfrei und hat einen hohen Heizwert. Brenner und Gastyp sind aufeinander abgestimmt. Mit diesen Kartuschen lässt sich der Gastank immer wieder befüllen und ist bei div. Herstellern in verschiedenen Größen zu erwerben.

Dampfkessel gibt es in vielen Varianten, mit unterschiedlichsten Fassungsvolumen und sind für den jeweiligen Schiffstyp erhältlich und werden auch nach Maß und Ausstattung angefertigt.
Der Kessel ist ein sehr wichtiger Baustein für die Dampferzeugung. Sparen an der falschen Stelle ist hier nicht angebracht. Von der Verwendung weichgelöteter Dampfkessel wird dringend abgeraten.

Empfehlenswert ist ein hartgelöteter Kessel mit einer Dampfnacherhitzung, damit wird erreicht, dass sich der Nassdampf in Heiß- bzw. Trockendampf wandelt. Weil sich dann fast kein Wasseranteil mehr im Dampf befindet, wird damit ein effektiver Betrieb der Maschine gewährleistet

Ausstattung meines neuen liegenden Dampfkessels: ausgerüstet ist der Dampfkessel z.B. mit 6 Quersiederohren, 4 Rauchrohren, Umkehrkammer, Dampfdom, einem Wasserstandsrohr zum Beobachten der Füllstandsmenge, je einem Regelventil für Dampf und Entlüftung, einem Manometer mit Siphon zur Anzeige des Dampfdrucks. Am Dampfdom ist ein Extraausgang für den Anschluss der automatischen Gasbrenner-Regelung vorgesehen. Anschlussmöglichkeit für eine Speisepumpe, Wasser-Ablassschraube, zwei Sicherheitsventile und Blindstopfen für sonstige Anschlüsse vervollständigen die Ausstattung.
Dateianhang:
Sicherheitsbauteil Manometer.jpg


Wer Wert auf eine qualitative und preiswerte Maschine legt, ist mit einer oszillierenden Zweizylinder-Maschine sehr gut beraten. Wenig mechanisch reibende Teile sind eine Garantie für lange Lebensdauer und nahezu wartungsfreien Betrieb. Wenn die Maschine kugelgelagert und umsteuerbar ist, sind eigentlich alle Anforderungen erfüllt.
Dampföler und Abdampfbehälter vervollständigen die Dampfanlage und sind eher die kostengünstigen Zubehörteile, die aber noch unbedingt erforderlich sind. Dass es im Fachhandel sog. Kompaktanlagen gibt, ist insofern eine ideale Quelle.
http://www.regner-dampftechnik.de/onlin ... index.html

Dateianhang:
Komplettanlage Midi, Fa. Regner.jpg


Aus Wärmeisolierungsgründen wird der Dampfkessel meist holzbeplankt. Dadurch wird erreicht, dass weniger Gas verbraucht wird.
Das in den Baumärkten erhältliche „Destilliertes Wasser“ ist lt. Aufkleber ein „entmineralisierte Wasser“, das zwar kalkfrei ist, es hat jedoch bei der Entmineralisierung auch Mineralien verloren.
Diese holt sich das entmineralisierte Wasser wieder aus seiner Umgebung d.h. es entzieht in unserem Fall dem Kesselmaterial (Messing und Kupfer) die fehlenden Mineralien.
Unter Umständen kann es zum gefürchteten Lochfraß kommen. Deshalb wird empfohlen ca. 5% Leitungswasser beizumischen.
Dampferzeugung:

Als Brennstoff wird Mischgas verwendet, das aus einer handelsüblichen Gaskartusche in einen Gastank gefüllt wird. Dieses Gas wird einem Brenner zugeführt und gezündet. Durch eine Düse wird das Gas mit Luft gemischt und in den Kessel geblasen. Mit einem Langhalsanzünder wird das Gasgemisch gezündet. Das im Kessel befindliche Wasser wird erhitzt, wobei Rauch- bzw. Quersiederohre diesen Vorgang beschleunigen. Bei der Gasentnahme aus dem Gastank entsteht Kälte. Die Ventilöffnung kann sich durch Vereisung stark verengen. Die Tankoberfläche sowie die Gasleitung beginnen zu kondensieren. Das Flüssiggas kann schlechter vergasen und verändert wegen der Druckverringerung das Flammenbild am Brenner. Oftmals ist auch das Verlöschen der Flamme die Ursache von zu geringem Gasdruck. Um eine Vereisung schon im Vorfeld zu verhindern, kann man den Tank in ein Warmwasserbad stellen oder ein Abdampfröhrchen als Dampfheizung mit wenigen Windungen um den Tank legen bzw. an einer Stirnfläche auflöten und das sich in der Ableitung gebildete Wasser über Bord ausleiten.

Es gibt viele Varianten die man anwenden kann, um für Abhilfe zu sorgen. Weil gerade bei einer Gasentnahme mit hoher Flussgeschwindigkeit der Vereisungseffekt gefördert wird, empfehle ich – so meine persönliche Erfahrung - den Gasdruck mittels Druckminderungsventil das dem jeweiligen Brenner angepasst werden kann und diesen immer mit einem gleich bleibenden und effektivsten Gasdruck versorgt (Herstellerseitig ist dieses Ventil auf 0,5 bar eingestellt).
Das Druckminderungsventil dient dem Zweck, dass der Brenner dauerhaft mit gleich bleibendem Gasdruck versorgt wird, egal ob der Gastank zu 90% voll oder zu 90% leer ist.
Dateianhang:
Gasdruckminderer.jpg


Dass der Dampf geölt werden muss ist vielen Leuten unbekannt. Wo Reibung entsteht, ist Schmierung erforderlich.
Die beweglichen Teile an der Dampfmaschine lassen sich gut schmieren bzw. ölen, wenn das über den Dampf erfolgt, denn die Kolben haben direkte Dampfberührung und außerdem hat das Öl auch Dichteigenschaften zu bieten.

Zur Füllung des Ölers wird Heissdampföl nach ZA nach DIN 51510 empfohlen: Es ist hochviskos, bis 300° C temperaturfest, harzt nicht und hat keine teerhaltigen Rückstände, außerdem vermischt es sich nicht mit Wasser bzw. Dampf, sondern emulgiert.
Der Behälter besteht aus Glas oder Messing. Durch das Oberteil führt das Dampfrohr in die Ölkammer. Im Dampfrohr ist eine kleine Querbohrung. Der Dampfdruck setzt dadurch die Ölkammer unter den gleichen Betriebsdruck der auch im Zuleitungsrohr herrscht.
Im Öler kondensiert eine geringe Wassermenge aus dem Dampfstrahl durch die Querbohrung. Das Wasserkondensat sinkt durch die Ölfüllung nach unten. Das Wasser verdrängt das Öl nach oben, wo es sich mit dem vorbeiströmenden Dampfstrahl nach dem Venturieffekt feinmolekular vermischt und gelangt so über die Kanäle in der Dampfmaschine auch an die beweglichen Kolben. Dieser Schmierungsvorgang erzielt auch ein Abdichten der Kolben gegen die Zylinderwände.
Dateianhang:
Verdrängungungöler.jpg


Dampfkessel-Dampfüberhitzung:
Der erzeugte Dampf sammelt sich im Dampfraum des Kessels und wird über eine ausgeführte Rohrleitung zur Dampfüberhitzung z. B. bei Stehkesseln extra noch über einige Rauchrohre geführt. Auf der Scala des Manometers ist der momentane Kesseldruck ablesbar.

Ein eingebautes Sicherheitsventil überwacht den Kesseldruck und öffnet sich bei zu hohem Druck automatisch.
Bei manchen Kesseln wird die Dampfleitung nochmals durch den Brennerraum geleitet oder auch in der Abgas- oder Rauchgaskammer nacherhitzt, dann über ein Regelventil weiter zum Verdrängungsöler geführt. Dort wird der Dampf geölt und zu einem RC-gesteuertem Umsteuerungsventil geleitet, das ermöglicht, dass die Drehrichtung und die Geschwindigkeit der Umdrehungszahlen der Maschine geändert werden kann. Der Dampfdruck setzt den zugeordneten Kolben in seinem Zylinder in Bewegung.

Kondensatbehälter oder auch Abdampfbehälter genannt:
Der von der Maschine austretende Dampf ist noch mit Öl vermischt und kondensiert im diesem Behälter d.h. das Öl wird vom Dampf getrennt. Dampf strömt aus dem Kamin, Wasser/Öl-Emulsion bleibt im Behälter zurück. Je nach Dampfkesselinhalt ist die Größe des Kondensatbehälters zu wählen. Ist dieser zu klein, so tritt ein Rückstau des Abdampfs auf, der die Maschinendrehzahl drosselt. Für jede Anwendung gibt es die unterschiedlichsten Bauformen, –größen und Ausstattungen mit mehreren Auslässen. Wenn eine Wassernachspeisung z.B von Fa. Regner für den Dampfkessel vorhanden ist, sollte ein größerer Kondensatbehälter verwendet werden, denn bei dem Kondensat handelt es sich um eine Emulsion aus kondensiertem Wasser und Öl. Je heißer der Abdampf ist, umso mehr verflüchtigt er sich durch den Abdampfkamin und sammelt sich nicht im Kondensatbehälter. Normalerweise soll der Kondensatbehälter nach jedem Fahren entleert werden.
Dateianhang:
liegender Kondensatbehälter.jpg

Dateianhang:
stehender Abdampfkondensator 001.jpg

Dateianhang:
Prinzip eines Kondensatbehälters.jpg


Als Teil einer Dampfanlage ist der Brenner für die Erhitzung des Kesselwassers zuständig und bedarf einer näheren Betrachtung bzw. Erklärung.
Nachdem ich mehrere Dampfschiffe betreibe, die mit unterschiedlichen Kesseltypen ausgerüstet sind, werden zur Dampferzeugung verschiedene Brennerarten verwendet.

Zur Beheizung meiner beiden Stehkessel, die verschiedene Durchmesser haben, verwende ich bei dem mit 100mm DM einem sog. Pilzbrenner (Campinggasbrenner) und bei dem mit 120mm DM einen runden 90er Keramikbrenner. Bei beiden Kesseln ist eine so genannte Feuerungstüre vorhanden. Bei geöffneter Tür eignet sich ein Langhals-Gasanzünder mit beweglichem „Rüssel“ besonders gut zum Anzünden des Gasgemisches.
Dateianhang:
runder Keramikbrenner DM90.jpg


Die drei anderen Schiffe haben liegende Kessel. Einer hat aufgrund der Bauweise einen sog. Rohrbrenner, die beiden anderen Kessel sind mit Quersiederohren und Rauchrohren ausgestattet und werden deshalb mit Flammrohr-Gasbrenner befeuert.

Der Anzündvorgang erfolgt bei beiden Stehkesseln problemlos, indem erst der Langhals-Gasanzünder in Betrieb gesetzt, dann in die Öffnung der Feuerungstüre gesteckt wird und erst dann das Gasventil am Gastank langsam geöffnet wird. So wird vermieden, dass eine Gasverpuffung stattfindet.

Die Anzündweise bei den liegendem Kessel mit Flammrohr-Gasbrenner wird ebenfalls mit dem oben erwähnten Anzündertyp vorgenommen, der zwischen Gasbrenner und Flammrohr gehalten, angezündet wird und dann erst das Gasventil am Gastank langsam geöffnet wird.

Anders verhält es sich bei Kesseln mit Rohrbrenner und manchen Keramikbrennern, die direkt in das Flammrohr gesteckt sind: das Zünden erfolgt deshalb über den Schornstein.
Diese Anzündversion ist gewöhnungsbedürftig und erfordert Übung. Falls das Anzünden nicht gleich beim ersten Mal gelingt, muss das Gasventil am Gastank sofort geschlossen werden, damit kein weiteres Gas in den Brennraum/Rauchkammer strömt.
So wird verhindert, dass eine Verpuffung stattfindet. Meistens sind mehrere Anzündversuche erforderlich bis der Rohrbrenner faucht d.h. das Gasgemisch brennt.
Wenn sich zuviel unverbranntes Gas im Brennraum/Rauchkammer befindet kommt es zur Verpuffung, was ein mehr oder weniger lautes Knallgeräusch hervorruft.
Ich habe versucht die verschiedenen Anzündmethoden allgemein verständlich zu erklären, sollte jedoch noch weiterer Erklärungsbedarf nötig sein, lasst es mich bitte wissen.
Dateianhang:
Kessel mit Rohrbrenner, Zündung über Kamin (2).jpg

Dateianhang:
liegender Kessel mit Keramikbrenner, Zündung nur über den Kamin möglich .jpg


Fortsetzung folgt


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 Betreff des Beitrags: Teil 2 Wissenwertes zum Thema Dampfbetrieb in Schiffsmodelle
BeitragVerfasst: Sa 9. Jun 2012, 15:30 
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Registriert: Di 27. Sep 2011, 07:45
Beiträge: 74
Vorname: Dieter
Bei unserem Dampfhobby setzen wir üblicherweise zum heizen Mischgas ein.
Damit wir vor unliebsamen Überraschungen verschont bleiben, ist es empfehlenswert in den Gasweg ein sog. Sicherheitsbauteil einzubauen. Mit so einen RC-gesteuertem Gas-Abschaltventil ist man auf der sicheren Seite, falls
es vorkommen sollte, dass das Dampfschiff irgendwo auf dem Gewässer (Ast, Algen) einmal manövrierunfähig ist.
Dabei könnte u. U. der Dampfkessel Schaden nehmen. Um dieses zu verhindern, verwende ich in allen meinen Schiffen eine solches Ventil. Durch einen Funkbefehl des Senders kann der "Kapitän" die Gaszuführung zum Brenner unterbrechen und den Kessel vor Schaden bewahren.

Eine sichere Gas-Abschaltung wird gewährleistet, wenn das Gas-Absperrventil hinter dem Gastank auf dem Weg zum Brenner in die Versorgungsleitung eingebaut ist.

Funktion im Ernstfall: Der Funkbefehl (mit der RC-Steuerung bewirkt), dass der Hebel, der normalerweise auf den Stößel drückt, abhebt und den Gasdurchfluß unterbricht.
Dateianhang:
Sicherheitsbauteil -Gasabsperrventil.jpg


Meine Frage an den Hersteller des Gasabschaltventils:
Haben die eingestanzten Richtungspfeile auf dem Ventil einen speziellen Grund für die Funktion?

Seine Antwort mit einer klaren Aussage:
Nicht ohne Grund ist die Durchflussrichtung mit den Pfeilen gekennzeichnet.
Wenn dieses nicht beachtet wird, kann eine Fehlfunktion nicht ausgeschlossen werden.
Aus Sicherheitsgründen wird der Ventilstößel durch den Gasdruck zusätzlich geschlossen.
Wenn die Durchströmungrichtung anders erfolgt, kann es sein, dass der Ventilstößel nicht ganz dicht schließt, da der Gasdruck den Stößel öffnen will. Liegen höhere Gasdrücke an, wird das Ventil bei angegebener Durchflussrichtung immer dichter, bei entgegen gesetzter Richtung immer undichter.
Die Einhaltung der Durchströmrichtung ist daher immer zu berücksichtigen.

Ein besonders heißer Dampf:
Es gibt Anwendungsbereiche im Dampfmaschinensektor, die eine besondere Dampfart beanspruchen.
Heiß- bzw. Trockendampf ist die Bezeichnung für Wasserdampf, der auf eine höhere Temperatur als die dem Überdruck entsprechende Siedetemperatur gebracht wurde. Er kann dabei ohne weiteres eine Temperatur von bis zu 300° C erreichen. Die Temperatur des überhitzten Dampfs liegt oberhalb der Siedetemperatur.
Der Dampf ist „trocken“ und enthält keine Tröpfchen.

Es wird unterschieden zwischen Strahlungsüberhitzern, die z. B. der Wärmestrahlung der Flamme (Dampfüberhitzung im Flammrohr und auch bei Stehkesseln über dem Keramikbrenner ringförmig verlegt) ausgesetzt sind und Berührungsüberhitzern, die nur durch den konvektiven Wärmeübergang z. B. bei zweizügigen Dampfkesseln über die Rauchrohre von dem heißen Rauchgas beheizt werden. Es handelt sich dabei um Rohranordnung mit 180° Umlenkungen, die neben- und auch übereinander in verbaut sind und vertikal verlaufen.
Im Dampfkesselbau wird oft auch eine Überhitzerspirale in der Abgaskammer / Umkehrkammer als zusätzliche Dampfüberhitzung angewendet. Bei Stehkesseln wird über die senkrecht stehenden Rauchrohre oftmals die Dampfleitung verlegt um die hohe Temperatur des Abgases zur Nacherhitzung zu nutzen. Das Ergebnis ist sog. Heißdampf.
Je höher die Dampftemperatur ist, desto größer ist auch der Wirkungsgrad des Prozesses.
Bei der Anwendung dieser sehr hohen Dampftemperatur füllt man Heißdampföl in den Verdrängungsöler.
Diese Öler gibt es in mehren Versionen aus verschiedensten Materialien (Metallkörper oder auch Glasrohr), aber das Funktionsprinzip ist gleich:
Die Arbeitsweise des Verdrängungsölers resultiert daraus, dass der in der Dampfleitung strömende Dampfstrahl einen molekularen Ölfilm mitreißt, wobei der Dampf geölt wird. Dabei entsteht im Öler ein ganz geringer Kondensatanteil (Wasser). Dieses Wasser sinkt im Öler ab. Öl schwimmt auf dem kondensierten Wasser und bekommt fortwährend Dampfkontakt.
Die Position des Ölers ist aufgrund der Funktionsweise (Dampfüberhitzung im Flammrohr oder über dem Keramikbrenner) zu berücksichtigen. Es sollte diese Reihenfolge berücksichtigt werden:
Dampfventil/Dampfhahn > Öler > Dampfüberhitzer/Dampfnacherhitzer > Maschine.

Beispiel: Bei meinen Anwendungzwecken in den Raddampfern wird der (noch) Nassdampf vor dem Nacherhitzen bzw. Überhitzungsvorgang geölt. Somit wird gewährleistet, dass im Öler überhaupt ein kondensieren des vorbeiströmenden Dampfs im Öler überhaupt ermöglicht wird. Wenn der Öler nach dem Dampfüberhitzungsvorgang eingebaut wird, passiert folgendes: die Dampftemperatur liegt derart hoch, dass sich kein Kondensat im Öler bilden wird.
Fazit: ein Berührungskontakt des Öls mit dem Dampf findet nicht statt d.h. keine Dampfölung = keine Maschinenölung.

Es bedarf einer gewissen Übung und Erkenntnis, den Ölverbrauch zu testen, indem das Kondensat (Emulsion) aus dem Kondensatbehälter kontrolliert wird. Bei Bedarf muss die Dosiernadel nachgestellt (justiert) werden. Wobei die Nadel eher etwas zuviel, als zu wenig geöffnet werden sollte.
Dateianhang:
Flammrohrkessel mit Umkehrkammer und 2-facher Dampfüberhitzung (2).jpg


Ich hoffe, dass ich mit meiner Info etwas Licht ins Dunkle bringen konnte und mich nicht zu fachspezifisch ausgedrückt habe. Falls trotzdem irgendetwas unverständlich ist, einfach eine PN an mich absenden.

Und zum Schluß einige Dampfvideos meiner Schiffe:

http://www.youtube.com/watch?v=itGs5pj0 ... el&list=UL
http://www.youtube.com/watch?v=PUh9YjSR ... playnext=2
http://www.youtube.com/watch?v=BS6wMirW ... el&list=UL


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 Betreff des Beitrags: Re: Wissenwertes zum Thema Dampfbetrieb in Schiffsmodellen
BeitragVerfasst: Sa 9. Jun 2012, 20:28 
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Registriert: So 25. Sep 2011, 15:38
Beiträge: 190
Wohnort: Linz / Donau
Vorname: Johann
Hallo Dieter!

Vielen Dank für Deine sehr aufschlußreichen und Lehrenden Worte! Ich werde Deine Berichte über den Dampf mit lernenden Augen sehr Interessiert verfolgen da mich alles über Dampfmaschine interessiert und begeistert und als nächstes großes Ziel für mich ist.
Was mich auch interessiert wäre: welche Literatur wie Bücher / Hefte oder so sind vernünftig Investiertes Geld, denn da gibt es soooo viele davon wo man(n) nicht weiß was man kaufen soll.

Frage: was ist besser eine Kurzhubige oder Langhubige Zylinder, und für welchen Einsatzbereich ist welche besser?

Wo kann man die Zubehörteile einkaufen? Hast Du da Bezugsquellen?


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 Betreff des Beitrags: Re: Wissenwertes zum Thema Dampfbetrieb in Schiffsmodellen
BeitragVerfasst: So 10. Jun 2012, 00:06 
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Registriert: Fr 19. Nov 2010, 19:43
Beiträge: 1355
Wohnort: Römerberg
Vorname: Gerhard
Hallo!

Zubehör direkt ansehen und kaufen geht sehr gut beim Echtdampftreffen in Karlsruhe anfang nächsten Jahres... yratp

Diese Veranstaltung ist immer einen Besuch wert!!!

Gruß

Gerhard


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 Betreff des Beitrags: Re: Wissenwertes zum Thema Dampfbetrieb in Schiffsmodellen
BeitragVerfasst: So 10. Jun 2012, 09:45 
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Administrator

Registriert: Mo 25. Okt 2010, 22:10
Beiträge: 2697
Wohnort: Römerberg
Vorname: Wolfgang
Hallo Dieter,

ich danke dir sehr für deine Bereitschaft dein fundiertes Wissen und auch vor allem deine angebotene Hilfe bei Fragen und Erklärungen,
resultierend durch eigene Erfahrungen zu diesem zwar speziellem aber auch faszinierendem Thema "Dampfbetrieb in Schiffsmodellen"
hier in unserem Forum uns allen zur Verfügung zu stellen.

Dieses Thema ist wie bereits erwähnt sehr umfangreich, auch mit Investitionen verbunden,
auch keinesfalls zu vergessen ist der sichere Umgang mit dieser Art von Maschinen, und gerade dies ist auch ein grosses Anliegen deinerseits.

Ich hatte das Glück dich vor im Jahr 2010 zum I. Skipper-Treffen einladen und kennenlernen zu dürfen und habe daher
selber gesehen das deine Modelle ständig von vielen Interessierten Teilnehmern und Besuchern umringt waren,
so das du kaum Zeit hattest deine Modelle auch im Fahrbetrieb zu zeigen, soviele Fragen mussten beantwortet und technische Details erklärt werden.

Eines noch zu den Bildern, speziell der "Scarlett", man muss es gesehen haben als dieses schöne Modell auf dem "Lac du Loup"
dampfend seine Runden gefahren hat, das alleine zu beschreiben ist unmöglich!


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 Betreff des Beitrags: Infos auf zum Thema Dampfbetrieb in Schiffsmodellen
BeitragVerfasst: So 10. Jun 2012, 11:14 
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Registriert: Di 27. Sep 2011, 07:45
Beiträge: 74
Vorname: Dieter
Hallo Johann,

die Webadressen der mir bekannten Lieferanten von Dampfmodellzubehör habe ich dir bereits per PN gemailt.

Auf die Frage zum Literaturbezug verweise ich auf den VTH-Verlag
*** Der Link ist nur für Mitglieder sichtbar. Bitte registriere Dich, oder logge dich ein. ***

und
https://www.webshop.neckar-verlag.de/in ... nvshop_pi1[obj]=details&tx_nvshop_pi1[prod_id]=53

https://www.webshop.neckar-verlag.de/in ... nvshop_pi1[obj]=details&tx_nvshop_pi1[prod_id]=25

Wenn du dich für ein bestimmtes Schiff entschieden hast, dann kannst du aufgrund dessen Länge/Gewicht entscheiden, welcher Maschinenantrieb dafür Verwendung finden sollte.
Langhuber sind Langsamläufer und werden deshalb im Raddampfern verwendet, Kurzhuber sind eher Schnellläufer, haben mit ca. 8mm Kolben und 10mm Hub wenig Kubik und sind meist für Boote/Schiffe unter 90cm Länge geeignet.
Ich würde dir empfehlen, dich in Regners Katalog zu informieren, denn darin werden mit fundiertem Wissen die Hub und Kolbendurchmesser samt Kessel beschrieben.
Die 10/14er Maschinen kenne ich von Kollegen, die damit sehr zufrieden sind.
Jetzt hast du zumindest eine Richtlinie wo es lang geht.
Die Entscheidung liegt bei dir, erst Schiffgröße, dann Maschine aussuchen.

Das ist meine Meinung, man müßte aber auch andere Kollegen dazu hören.


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 Betreff des Beitrags: Dampfbetrieb in Schiffsmodellen
BeitragVerfasst: Mi 26. Sep 2012, 10:12 
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Registriert: Di 27. Sep 2011, 07:45
Beiträge: 74
Vorname: Dieter
Diese Termine sollte man sich unbedingt vormerken.

Wo kann man sich besser informieren als bei einer Sonderaussellung, bei der die Anwender solcher Dampfmodelle zur Rede und Antwort bereit stehen. Dass es dabei nicht nur bei der Theorie bleibt, sondern auch die Praxis nicht zu kurz kommt, ist selbstverständlich.

Hier kann der Interessent so richtig Dampf schnuppern, aber vorsicht, der Dampfvirus sucht immer ein neues "Opfer".

Dateianhang:
16. Laufer Dampfmodell-Tage.jpg


Ich werde meine beiden Mississippi-Raddampfer "SCARLETT" und "PAUL JONES" mehrmals in Betrieb nehmen,
wobei die angewendete Technik den Zuschauern im Detail auch erklärt wird.
Einblicke in die Schiffe ist also garantiert, so dass die Antriebsfunktion auch im Inneren beobachtet werden kann.

Tschüss bis dann ....

Dieter


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 Betreff des Beitrags: 16. Laufer Dampfmodell-Tage
BeitragVerfasst: Mi 7. Nov 2012, 14:58 
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Registriert: Di 27. Sep 2011, 07:45
Beiträge: 74
Vorname: Dieter
Für all diejenigen, die sich nicht vorort informieren können, hier ein Video dieser Veranstaltung vom vergangenen Jahr.

http://www.youtube.com/watch?v=RICFDz6kjJg

10./11. und 17./18.. November von 10 bis 17 Uhr

Veranstalter:
Industriemuseum Lauf
Dampffreunde Nürnberg


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 Betreff des Beitrags: etwas für Dampffreunde: 17. Laufer Dampfmodell-Tage
BeitragVerfasst: Sa 2. Nov 2013, 10:30 
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Registriert: Di 27. Sep 2011, 07:45
Beiträge: 74
Vorname: Dieter
Wieder ist ein Jahr vergangen und die Laufer Dampfmodell-Tage sprechen für sich.

Zu dieser tollen Veranstaltung gibt es wenig zu sagen, die muss man als "Dampffan" einfach besuchen.

http://www.industriemuseum-lauf.de/Page2264.html

Ich bin dieses Jahr am 9. Nov. "nur" als Gast bei den Schiffmodellbauern. d.h. ohne meine Raddampfer.
Deshalb kann ich mich mit Besuchern und Interessenten intensiv über die Antriebsthematik Dampf unterhalten.
Vielleicht kommt jemand von euch auf mich zu, ich würde mich freuen.

MfG
Dieter (Mitglied bei den Nürnberger Dampffreunden)


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 Betreff des Beitrags: Bilder von den 17. Laufer Dampfmodell-Tagen
BeitragVerfasst: Fr 22. Nov 2013, 09:31 
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Registriert: Di 27. Sep 2011, 07:45
Beiträge: 74
Vorname: Dieter
Damit die "daheimgebliebenen" Forumsmitglieder auch was zu sehen bekommen und beurteilen können, was die Laufer Dampfmodell-Tage zu bieten hatten:

*** Der Link ist nur für Mitglieder sichtbar. Bitte registriere Dich, oder logge dich ein. ***


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 Betreff des Beitrags: Re: Wissenwertes zum Thema Dampfbetrieb in Schiffsmodellen
BeitragVerfasst: Do 23. Jan 2014, 10:21 
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Registriert: Di 27. Sep 2011, 07:45
Beiträge: 74
Vorname: Dieter
Bei vielen Ausstellungen und Veranstaltungen unseres SMC kommen manchmal Fragen auf mich zu, die unser Dampfhobby betreffen.

Ich nehme die mir zuletzt gestellte Frage zu einer Pinasse hier einmal als Beispiel auf:
Was für einen Kessel würdest du mir empfehlen? Einen Stehkessel oder einen liegenden Kessel? Das Boot wird ca. 110cm lang und ca. 35cm breit sein. Diese Abmessungen sind schon hervorragend geeignet mit einem Stehkessel zu liebäugeln. Speziell die Breite verhindert bei Änderungen der Fahrrichtung ein "kippeln". Für einen schmäleren Rumpf ist ein Liegender Kessel vorteilhafter, weil der Schwerpunkt damit niedriger liegt. Welcher Kessel bringt hier gravierende Vorteile? Eine Dampfanlage besteht aus mehren Gerätschaften und deshalb sollte der Dampfdurst der Maschine zu der Dampfförderungsmenge des Kessel betrachtet werden.

Selbst wenn „Vorteile“ vorhanden sein sollten, so ist es doch immer noch eine Ansichtssache d.h. kann man „Nachteile“ tolerieren, wenn z.B. die gefälligere Optik ausschlaggebend ist. Auch andere „Nachteile“ kann man teilweise sogar vor dem Kauf korrigieren. Hier darauf näher einzugehen, würde zu weit führen. Bei einem identischen Maschinentyp frage ich dann nach dem Schiffstyp, in dem der Kessel verwendet werden soll. Da ist einiges von vornherein abzuklären, denn vieles hängt von der Rumpfbreite ab. Ist der Rumpf eher als schmal zu bezeichnen, dann rate ich schon von vornherein von einem Stehkessel ab. Aber da muss man auch die Kesselhöhe zusätzlich mit einbeziehen, eine kleinere Höhe ist oftmals noch zu tolerieren, weil hier das Argument eines hohen Schwerpunkts nicht greift.
Meistens stelle ich meine eigene Ansicht nicht in den Vordergrund, sondern verweise auf mehrere Kesselarten, wobei jeweils der unterschiedliche Kesselaufbau ausschlaggebend ist. Bei Stehkesseln und auch liegenden Kesseln (ein- und zweizügige Kessel) die sogar mit unterschiedlichen Brennertypen bestückt sind, wird oft das Ergebnis überschätzt. Für wichtiger halte ich die Wärmeisolierung des Kessels samt Dampfleitungen. Oft sind dann die angenommenen Vorteile gar nicht mehr relevant, weil sich dann auch sogar „Nachteile“ auftun, an die man gar nicht gedacht hatte. Und der zuerst benachteiligte Kessel wird plötzlich mit anderen Augen gesehen. Alleine die kürzere Aufheizzeit kann kein Kriterium sein, genau wie der evtl. um einige Milliliter größere Kesselinhalt. Ob man mit einem liegenden Kessel eine längere Fahrzeit erzielt als mit einem Stehkessel, das ist für mich nicht unbedingt positiv, dass ich ihn alleine deswegen bevorzugen würde. Solche Differenzen kann leicht man z.B. mit der Verwendung einer Autom. Gasregelung ohne weiteres ausgleichen. Auch bei einem kleinen Kessel kann nachträglich ein Nachspeiseventil montiert werden, so dass durch den kurzen Stopp für die Nachspeisung eine längere Fahrzeit möglich wird. Es braucht alles seine Zeit bis alle Details getestet sind und dann kommt ein neues Projekt. Die gewonnen Erkenntnisse kann man dann umsetzen, es wird einem nie langweilig. Wer, wie ich, sogar eine Dampfüberhitzung bzw. -nacherhitzung bevorzugt, wird in einen Bereich stoßen, der ihn total zufrieden stellt.
Je nach persönlichen Ansprüchen hat man die Wahl sich für die eine oder andere Dampfkesselvariante zu entscheiden und kann auch fast jede Differenz ausgleichen.
Dass aufgrund der Rumpftyps und der unterschiedlichen Kesseltypen jeweils ein anderes Fahrverhalten aufgezeigt wird, ist bestimmt jedem verständlich. Wer das Seitenruder mit kleineren Ruderausschlägen betätigt, kann damit selbst das "Kippeln" reduzieren.

Dieter


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 Betreff des Beitrags: neue Dampfmaschine für gewichtige Dampfschlepper
BeitragVerfasst: Sa 11. Apr 2015, 13:29 
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Registriert: Di 27. Sep 2011, 07:45
Beiträge: 74
Vorname: Dieter
Wen einmal der Dampfvirus infiziert hat, der ist irgendwann auf der Suche nach besonderen Modellen, die ihn herausfordern.
Für manche Dampfschiffe wird in Katalogen/Webseiteen auch gleich eine passende Dampfanlage vorgeschlagen. Dass dafür auch außergewöhnliche Preise zustande kommen, darf den Interessenten nicht stören, denn die Dampfanlage ist bei einem speziellen Hersteller zugekauft worden, d.h. der Zwischen- und auch der Endverkäufer werden ihre Gewinnspanne aufschlagen. Alleine der Baukasten verschlingt meistens fast einen vierstelligen Betrag.
Bei einem bevorstehenden Kauf sollte der Interessent unbedingt die Verdrängungsangaben beachten.
Eine große Verdrängung des Rumpfs bedeutet, dass man dazu auch gleichzeitig eine kräftige Maschine mit leistungsfähigem Dampfkessel, einen Gastank mit ausreichender Füllmenge benötigt. Diese Gerätschaft kommt in der Preisliste als empfohlenes Zubehör noch extra hinzu.
Ich verweise hier einmal auf die Imara, die es mit einem 2-Schrauben Antrieb Bestell-Nummer Krick # 27112 und auf die Imara für Einschrauben-Antrieb # 27012, beide komplett mit Beschlagsatz kosten für Endverbraucher 869,00 EUR.
Hier hat der Modellbauer zwei Möglichkeiten zur Auswahl seinen Träumen nachzugehen.

Die Imara war während Kolonialzeit (um 1930) ein typischer Hafenschlepper. Der Baukasten der Imara wird mit einem Zweischrauben-Antrieb wie das Original oder als Einschrauben-Antrieb zum einfachen Einbau einer Dampfmaschine angeboten. Auch andere Hafenschlepper entsprechen mit ihrem Rumpftyp dem des englischen Schiffsbaus.

Technische Daten
Länge: 110,5 cm. Breite: 29,2 cm. Tiefgang: 12,0 cm. Maßstab: 1:32. Verdrängung ca. 19Kg.
Fotos : http://www.modellbau-web.de/galerie/imara/imara.html

Der Baukasten ist mit einem sorgfältig detaillierten GFK-Rumpf, Aufbauten und Schornstein ausgestattet. Alle Sperrholzteile für Deck und Aufbauten sind mit einer CNC-Fräse exakt ausgefräst. Für Steuerhaus und Deck sind außerdem bedruckte Sperrholzplatten beigefügt. Der Beschlagsatz ist besonders reichhaltig mit ca. 800 Metallgussteilen bis hin zum Geschirr im Salon und Einrichtungsteilen ausgestattet. Die Beiboote sind tiefgezogen und ein ausführlicher Bauplan mit deutscher Bauanleitung erleichtert den Zusammenbau.
:
Empfohlene Dampfmaschine Viktor Maxi-Twin für Zweischrauben-Antrieb. Das sind zwei relativ kleine Dampfmaschinen, die dem Typ Piccolo von Regner entsprechen. Ich vermute anhand des Fotos, dass der Dampfkessel dem Maxi von Regner entspricht.

Für die Einschraubenversion der Imara wird eine Kesselvariante mit identischer Dampfmaschine (Piccolo) kpl. angeboten. Das beinhaltet für die Alex den Kompakt-Kessel und für die Victor den Maxi-Kessel, beide sind von Regner


Ich bin skeptisch, dass die Piccolo Dampfmaschine den Vortrieb des Schleppers mit einer 75er Schraube bewältigt, wobei man die Verdrängung und die jeweilige Dampfkesselversion berücksichtigen sollte. Die Länge der Fahrzeit hängt immer von mehreren Faktoren ab und darf nicht überschätzt werden.

Ich denke, dass die zwei Piccolo-Maschinchen mit 10er Kolben und 14er Hub eher als Schnellläufer zu bezeichnen sind und deshalb keine 75er Schrauben als Antrieb vertragen, ohne dass diese die Drehzahl stark abdrosseln und sich damit quälen.

Ab und zu werden solche gewaltigen Schlepper über eine Versteigerungsplattform im Internet angeboten. Allerdings sind diese Schiffe dann meisten mit Elektroantrieb ausgerüstet, die sich aber bei Bedarf relativ einfach auf Dampfantrieb umbauen lassen.

Für solche Dampfschiffe mit Zweischraubenantrieb braucht man unbedingt geeignete Maschinen und einen leistungsfähigen Dampfkessel, dessen Wasservorrat > 30 Minuten Fahrzeit ermöglichen sollte.
Nachdem weder die Ceddar Maxi Twin noch die Ceddar Proteus Maschine lieferbar ist, hat man über die Fa. Krick die Möglichkeit eine vergleichbare Dampfanlage zu beziehen, die allerdings auch ihren Preis hat.

Inzwischen hat Regner eine interessante Maschine Namens Bea auf den Markt gebracht, die die Junior ersetzen wird. Nachdem Regner als Hersteller in seinem Katalog bestätigt, dass sich die Bea für Schiffe bis 20Kg Wasserverdrängung und einer Schraube bis 90mm Durchmesser eignet, ist das sicher realistisch. Dass sich eine solche Schraubengröße auch bei der Imara u.a. Dampfschleppern einbauen lassen steht außer Frage. Und der Maxi Kessel ist lt. Regner sowohl für die Junior als auch für die Bea Dampfmaschine geeignet.
Selbstverständlich kann, wenn man noch eine Junior bekommt, diese verbauen, denn die Daten bezügl. Wasserverdrängung und Schiffsschraube sind identisch und was noch wichtig ist, der Preis könnte günstiger ausfallen.

Dieter


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 Betreff des Beitrags: Re: Wissenwertes zum Thema Dampfbetrieb in Schiffsmodellen
BeitragVerfasst: Sa 11. Apr 2015, 14:44 
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Danke für den Einblick in das Thema, Dieter!

Toll finde ich diese Schiffe schon, nur selbst haben und betreiben liegt außerhalb meiner Möglichkeiten (Größe, Technik etc.)

Dennoch sehr interessant, wenn man über den Tellerrand schauen darf....

VG
Peter.


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 Betreff des Beitrags: Re: Wissenwertes zum Thema Dampfbetrieb in Schiffsmodellen
BeitragVerfasst: Mo 13. Apr 2015, 09:32 
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Beiträge: 74
Vorname: Dieter
Ich hatte im vorletzten Beitrag von der Verwendungsmöglichkeit einer untersetzten Dampfmaschine geschrieben.
Hier möchte ich noch einen Nachtrag mit Bildern anfügen, damit man sich so eine Maschine vorstellen kann:
Wichtige Daten: Kolbendurchmesser = 12mm, Hub = 20mm.
Das besondere daran ist, sie ist liegend und auch stehend, längs und auch quer z.B. für Raddampfer einbaubar, denn sie ist mit vier Kugellagern und einer beidseitig überstehenden Antriebsachse versehen. Vorteilhaft ist auch der kleine Schwungscheibendurchmesser. Diesen Maschinentyp habe ich seit vielen Jahren in mehreren Schiffen im Einsatz. Meine Fantasia, ein Binnenschlepper mit 18Kg wird von einer 90er Schraube angetrieben. Außerdem haben meine beiden Mississippidampfer PAUL JONES und SCARLETT ebenfalls diesen Typ als Antrieb. Bei Schiffsmodellen die einen kraftvollen Antrieb (große Schraube) benötigen empfehle ich unbedingt eine untersetzte Maschine zu verwenden, denn hier ist nicht Geschwindigkeit gefragt und auch kein "Dampffresser". Solche Maschinen sind rar und der Erbauer wird aus Altersgründen demnächst die Produktion seiner Maschinen einstellen.

Dateianhang:
SCARLETT dampft 2010 Römerberg .jpg


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 Betreff des Beitrags: Re: Wissenwertes zum Thema Dampfbetrieb in Schiffsmodellen
BeitragVerfasst: Mo 13. Apr 2015, 09:41 
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Hallo Dieter!

Der Hersteller der Dampfmaschine, der demnächst aus Altersgründen aufhört - ist das der Hr. Regner oder jemand, der Dampfmaschinen auf Untersetzung umbaut?

Gruß

Gerhard


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 Betreff des Beitrags: Re: Wissenwertes zum Thema Dampfbetrieb in Schiffsmodellen
BeitragVerfasst: Mo 13. Apr 2015, 11:21 
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Vorname: Dieter
Hallo Gerhard,
nein, keines von beiden, es ist es ein Rentner aus meiner Ecke, der seit min. 1992 unter HBN seine Dampfanlagen fertigte und auch bei Oktant vertrieben hat. Er hatte immer bei den Laufer Dampfmodelltagen seine eigenen Produkte (Dampfkessel und -Maschinen) präsentiert. Kurz gesagt, ein erfahrener Dampfanlagen-Hersteller. Ich habe seit vielen Jahren mehrere Steh- und auch einen liegenden Dampfkessel und zwei Maschinentypen (insgesamt 3 mit Untersetzung +2 ohne) davon im Einsatz.

Für diese Pinassen sind keine Maschinen mit Untersetzung nötig, weil nur 60er Schiffschrauben verwendet werden.
Dampfpinasse Octopussy
Dateianhang:
OCTOPUSSY mit 100er Stehkessel .JPG

Dateianhang:
Octopussy.JPG


Dampfpinasse Libelle und Octopussy
Dateianhang:
Libelle+Octopussy.jpg

Dateianhang:
Oszi HBN 20 12 und 120er Stehkessel.JPG


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Zuletzt geändert von Anonymous am Mo 13. Apr 2015, 18:14, insgesamt 2-mal geändert.
Auf Wunsch von Dieter drei Worte im Text korrigiert


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 Betreff des Beitrags: Re: Wissenwertes zum Thema Dampfbetrieb in Schiffsmodellen
BeitragVerfasst: Mo 13. Apr 2015, 14:48 
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Vorname: Dieter
dampfpinassen+dieter hat geschrieben:
Hallo Gerhard,
nein, keines von beiden, es ist es ein Rentner aus meiner Ecke, der seit min. 1992 unter HBN seine Dampfanlagen fertigte und auch bei Oktant vertrieben hat. Er hatte immer bei den Laufer Dampfmodelltagen seine eigenen Produkte (Dampfkessel und -Maschinen) präsentiert. Kurz gesagt, ein erfahrener Dampfanlagen-Hersteller. Ich habe seit vielen Jahren mehrere Steh- und auch einen liegende Dampfkessel und zwei Maschinentypen (insgesamt 3 mit Untersetzung +2 ohne) davon im Einsatz.

Für diese Pinassen sind kein Maschinen mit Untersetzung nötig, weil nur 60er Schiffschrauben verwendet werden.
Dampfpinasse Octopussy
Dateianhang:
OCTOPUSSY mit 100er Stehkessel .JPG

Dateianhang:
Octopussy.JPG


Dampfpinasse Libelle und Octopussy
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Libelle+Octopussy.jpg

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Oszi HBN 20 12 und 120er Stehkessel.JPG


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 Betreff des Beitrags: Re: Wissenwertes zum Thema Dampfbetrieb in Schiffsmodellen
BeitragVerfasst: Fr 19. Jun 2015, 10:48 
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Vorname: Dieter
Dampfinteressierte Kollegen möchte ich aus gegebenen Anlass nochmal auf meinen Eintrag vom 11. April verweisen und dabei erwähnen, dass ich einen Bericht verfasst habe, der im SchiffsModell Heft 8/2015 unter der Sparte "Technik" stehen wird.
Ich habe da eine besondere Dampfanlage beschrieben, die in einem Dampfschlepper mit 28 Kg. Verdrängung ihre Verwendung findet. Mehr möchte ich im Moment dazu nicht bekannt geben.
Aber ein Foto soll trotzdem die Neugier anregen.

Dateianhang:
Testversuch.jpg


Die "MOULAY IDRIS" (so steht es auf dem Bauplan) ein Hochsee-Dampfschlepper Jahrgang 1941,
hat eine Länge von 1,24m und eine Breite von 0,35m. Der Maßstab ist 1:25.

Sollte jemand nach dem erscheinen des Berichts noch Fragen haben, dann lasst es mich wissen!


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